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Aktualisiert am: 26.03.2020






Protokoll einer Tonbandaufzeichnung von Alan Jeddeloh aus dem Jahre 1985, in dem seineSchwester Karen ihren Vater Fred (Fritz) zu Jeddeloh interviewte.
Headline
Karen Jeddeloh (RIN 251) / Fred Jeddeloh (RIN 238)

Bei meinem letzten Besuch in Deutschland habe ich die beiden D├Ârfer Jeddeloh I undJeddeloh II besucht. In welchen der beiden D├Ârfer wurdest du geboren?

Ich wurde in Jeddeloh 1 geboren. (Anmerkung 1)

Und wo dort genau?

Jeddeloh 1 war ein kleines Bauerndorf. Die H├Ąuser waren typisch f├╝r die damalige Zeit.Sie hatten Strohd├Ącher und die Menschen lebten mit dem Vieh unter einem Dachzusammen.

Das Vieh war in dem gleichen Haus untergebracht?

Ja, in dem gleichen Haus.

Aber in einem separaten Teil des Hauses?

Ja, in einem Teil des Hauses.

Ungef├Ąhr so als ob das Vieh seinen eigenen Stall hatte wo der Wohnbereich angrenzte?

Der Wohnbereich war an einem Ende und der Stall f├╝r das Vieh am anderen Ende des Hauses.

Wenn man also bei deiner Geburt die T├╝r zum Stall offen gelassen h├Ątte und man dich fragenw├╝rde, ob du in einen Stall geboren wurdest, dann m├╝sstest du ja geradezu „Ja“ sagen.

Das ist richtig.

Erinnerst du dich, wo das Haus lag? Hatte es eine Adresse?



Hier stand das Haus


Nein, es gab zu der Zeit keine Stra├čennamen, jeder kannte jeden.

So war das. Dann h├Ątte UPS zu der Zeit kein Problem gehabt, die Leute zu finden (lacht). Hastdu deine ganze Kindheit in diesem Haus verbracht?

Nein. Nachdem ich 1905 geboren wurde, zogen meine Eltern im Mai 1909 von dort weg.

Als du 4 warst?

Ja, ich war 4 Jahre alt und ich habe nur ein paar vage Erinnerungen von diesem Ort

Ok. Wohin seid ihr dann gezogen?

Meine Eltern zogen nach „Ordenberg“ (Osternburg ).. welcher ein Vorort von ... ist.

Oh, sie zogen in einen kleinen Vorort einer Stadt?

Ja.

Welche Rasse von K├╝hen hattet ihr?

Es waren Holsteiner.

Ich bef├╝rchtete schon du beantwortest die Frage mit „Milchk├╝he“ (lacht). War das der Ort,wo im ersten Weltkrieg Soldaten auf euren Hof kamen? Da gab es eine Geschichte, die du mirmal erz├Ąhlt hattest, ├╝ber die Kartoffelernte, die alles war, was ihr hattet und dann als dieSoldaten auf den Hof kamen und dein Vater die Kartoffeln unter einem Stapel D├╝ngemittel inder Scheune vor ihnen versteckte.

Das war mein Gro├čvater (RIN 148).

Dein Gro├čvater tat das?

Ja. W├Ąhrend des ersten Weltkrieges wurde mein Vater zu seinem Regiment eingezogen.In dieser Zeit, musste meine Mutter die Hofarbeiten alleine machen. Mein Gro├čvaterkam zu Beginn des Krieges, um meine Mutter bei den Hofarbeiten zu helfen. Er bliebw├Ąhrend des ganzen Krieges bei uns.

War er der Vater deines Vaters oder deiner Mutter?

Der Vater meines Vaters, mein Gro├čvater v├Ąterlicherseits.

Deine Eltern kauften also die Molkerei in Oldenburg welches ich nicht buchstabieren kann.Sagst du es noch einmal f├╝r mich.

"Oldenburg".

Ich wollte blo├č eine Aufzeichnung der richtigen Aussprache dieses Ortes, weil ich niemals inder Lage sein werde, es richtig auszusprechen. Na ja, wie alt warst du als ihr die Molkereigekauft hattet?

Vier, Viereinhalb

Dann m├╝sste es so um 1910 gewesen sein. Und wie lange habt ihr da gewohnt?

Ich glaube bis 1922 oder 1923



Wann begann die Inflation in Deutschland?

Gleich nach dem Krieg.

Gleich nach dem Krieg. Und der Krieg endete wann?

1918.

Ok, und von 1918 bis 1922 warst du dort.

Ja, w├Ąhrend der schlimmen Inflation.

War das die Zeit wovon du uns in einer Nacht die Geschichte vom Kauf einer neuenFahrradkette erz├Ąhltest?

Ja.

Du gingst von der Molkerei, deinem Zuhause, zu einem Gesch├Ąft in Oldenburg?

Nein, bitte warte noch, das ist hier noch nicht angebracht.

Wie du m├Âchtest. Gehen wir ein wenig in der Zeit zur├╝ck. Der Krieg war vorbei. Dein Vaterkam zur├╝ck.

Ja, er kam zur├╝ck. Der Besitzer verpachtete ihm kein Weideland mehr f├╝r die Molkerei. Wir warenauf der Suche nach etwas anderem. Mein Vater pachtete einen Hof in Holle, H-o-l-l-e. Er war ungef├Ąhr 15km von Oldenburg entfernt.Dort lebten wir bis 1922. Mein Vater wurde, wegen seiner milit├Ąrischen Dienstzeit und seiner Kriegsverwundung, Beamter. Erwurde dann als Regierungsbeamter in einem Bezirk an der Nordsee eingesetzt. In diesen Bezirk baute er sich ein Haus, in dem wir1923 einzogen.

Welches Dorf war in der N├Ąhe. Erinnerst du dich?

Es war ein kleines Dorf, es wurde ganz neu aufgebaut und besiedelt. Alles wurde von Veteranen aus demletzten Krieg aufgebaut, es hie├č „Neu Augusten G......“ Buchstabiert G-r-o-d-e-n!
Lageplan



Was bedeutet der Name „Neu Augusten“?

Es wurde vermutlich nach jemandem benannt der August hie├č. August war hier einbekannter Name. Die Bedeutung von Groden ist „weites gro├čes Land“.

Das war also ┬┤23?

Ja. Das Land war sehr ertragreich, es war trocken gelegter Meeresboden. Der Bodenwar voll mit Sedimente von abgestorbenen Meerestieren aus der Urzeit und daher sehrfruchtbar.

War es nicht zu salzig?

Nein, nein, war es nicht, weil es eingedeicht war, wenn es durch Regen ├╝berflutet war,dann wurden die Schleusen zur Nordsee ge├Âffnet. Wenn die Flut kam wurden siegeschlossen.

Ok, das ist sehr gut. Du hast uns letzte Nacht einige Sachen dar├╝ber erz├Ąhlt, wie du w├Ąhrendden Inflationsjahren in Holle warst und ├╝ber die Geschichte, wie du dir eine neueFahrradkette kaufen wollest.

W├Ąhrend den Inflationsjahren wollte man das Geld so schnell wie m├Âglich loswerden,denn es verlor sehr schnell an Wert. Ich ben├Âtigte eine neue Fahrradkette und als ich indie Stadt ging um mir eine zu kaufen, konnte ich keine Kette mehr f├╝r Geld kaufen. DerVerk├Ąufer wollte sie nur gegen ein Pfund Butter tauschen, da er wusste, dass wir Rinderund Milchk├╝he hatten. Ich holte ein Pfund Butter und bekam daf├╝r meine neueFahrradkette..

Und dann gab es da noch eine Geschichte von dir als Jugendlicher. Du wolltest dir einenneuen Kamm kaufen.

Ja, richtig. Ich war noch jung und wollte mir einen neuen Kamm kaufen. F├╝r dasnormale Geld konnte man sich aber keinen kaufen. Ich hatte aber noch eine 10 PennyM├╝nze aus der Vorkriegszeit die immer noch eine g├╝ltige Silberm├╝nze war. DerVerk├Ąufer war froh, dass er mir einen Kamm f├╝r diese M├╝nze verkaufen konnte.

Ich kann mir vorstellen, dass man mit dem Silber vermutlich 30 K├Ąmme h├Ątte kaufen k├Ânnen.(Lacht). Hast du zu der Zeit gewusst, welchen Wert diese M├╝nze hatte, f├╝r die es nur eineneinzigen Kamm gegeben hat?

Ja, dass wusste ich, 10 Penny waren nur 2½ Pfennig vor dem Krieg wert. Also waren2½ Pfennig nicht zu viel f├╝r einen Kamm.

Ich kann mir vorstellen, dass ich auch 2½ Pfennig f├╝r einen Kamm bezahlt h├Ątte. Als wirmit Bill gesprochen hatten, erz├Ąhlte er uns, dass du die Dierks zu dieser Zeit kennen gelernthattest?

Als wir in Holle lebten, lernten wir sie kennen. Sie wohnten nur 5 km von uns entfernt.

Er erz├Ąhlte uns, dass er gelegentlich r├╝berkam um eurer Familie bei der Roggenernte zuhelfen.

Ja.

Wurde haupts├Ąchlich Roggen angebaut?

Nicht haupts├Ąchlich, aber Roggen war schon ein gro├čer Teil der Ernte.

Ein gro├čer Teil also. Du hast au├čerdem erw├Ąhnt, wie du mit deinem Vater eine Kuh zumMarkt brachtest um sie dort zu verkaufen.

Ja. Ich erinnere mich genau an die Situation, wo mein Vater w├Ąhrend der Inflation eineKuh zum Markt brachte und sie dort verkaufte. Er wollte das Geld nicht mit nachHause bringen und so kauften wir f├╝r das Geld Roggen ein.

Die Leute hatten wirklich kein Vertrauen in die Regierung, die offensichtlich den Wert desGeldes nicht stabilisieren konnte.

...weil die Regierung das Geld weiterhin ganz normal ausgab...

Wurde das Geld irgendwie gest├╝tzt?

Nein, es kam keine Hilfe. In den letzten Tagen der Inflation wurde ein amerikanischerDollar mit 4 Millionen Deutsche Mark getauscht.

Das ist unglaublich.

Ja.

Es ist sehr schwer sich eine Million vorzustellen. Ich vermute, dass Amerikaner die nachDeutschland kamen, dort gute Gesch├Ąfte mit ihrem Geld machten.

Oh ja das konnten sie.

Wurde ausl├Ąndische W├Ąhrung ├╝berhaupt angenommen? Nahmen die deutschen Kaufleute dieamerikanischen Dollars an?

Ja, sehr gerne sogar. Es war eine sehr schwere Zeit.

War euer Hof unabh├Ąngig?

Ja. Wir hatten Milchk├╝he, die Kartoffelernte, die Bohnenernte und unserenGem├╝segarten.

Welche Sorte von Kartoffeln?

Ganz normale Kartoffeln.

Oh, ich dachte ihr habt sie irgendwie anders genannt.

Nein. Nur ganz normale Kartoffeln, die waren f├╝r uns gut genug.

Also, du warst zu jung f├╝r den ersten Weltkrieg und bist vor dem zweiten ausgewandert.

Ja.

Bill (Bill Dierks, Cousin) erz├Ąhlte uns, auf die Frage warum er Deutschland verlassen hatte,das er wegen der Inflation ausgewandert ist. War das auch der Grund warum duDeutschland verlassen hast?

Also, ja. Wir hatten Verwandte in Amerika und waren mit ihnen in Kontakt.

Sein Vater und seine Mutter waren schon da?

Nein. Die G├Âtze`s

Die G├Âtze`s waren schon hier. Ok.

Sie lebten schon etwas l├Ąnger hier. Wir kannten viele Leute die hier Verwandte hattenund die Nachrichten aus Amerika waren immer so gl├Ąnzend und so wunderbar. Alsjunger Mann hatte ich auch den Geist eines Abenteurers in mir und wollte auchauswandern. Meine Mutter und mein Vater ermutigten mich zur Auswanderung, weilsie in Deutschland keine Chance mehr f├╝r mich sahen. Dann kam es noch so, dass dieCousine meines Vaters, Helen G├Âtze, eine alleinstehende Frau die ihr ganzes Leben langin San Francisco lebte und dort arbeitete zu Besuch nach Deutschland kam. Als sie beiuns war, habe ich mit ihr ├╝ber eine Auswanderung gesprochen und das hat meinenEntschluss zur Auswanderung best├Ąrkt. Sie sprach mit meinem Vater und sie schriebihrem Bruder Bill G├Âtze, der auch der Cousin meines Vaters war, in Seaside Oregon ober f├╝r die n├Ąchsten 5 Jahre f├╝r mich in den USA b├╝rgen w├╝rde. Das schrieb dieamerikanische Regierung f├╝r neue Einwanderer vor. Der Cousin meines Vaters b├╝rgtenicht nur f├╝r mich, sondern er kaufte auch die Karte f├╝r die ├ťberfahrt mit einemDampfer und schickte sie mir zu.



Und dann als du Deutschland verlassen hattest, wolltest du nach Alsea (?) town im Jahre1923. Dort bliebst du 1 oder 2 Jahre.

Ich blieb dort ein paar Jahre, ja.

Du warst damals erst 19 richtig?

Ja, Deutschland habe ich 1925 im August verlassen.

Ok. Und Bill Dierks war schon da.

Bill Dierks war schon da. Die Farm in Nebraska, auf der er arbeitete, war mein Ziel.

Oh. Erinnerst du dich an den Namen der Farmbesitzer?

Hilbers, H-i-l-b-e-r-s.

Ok. Du sagtest, dass du das Geld f├╝r das Schiffticket bekommen hast. Ich habe mich immergefragt wie es wohl war, in diesen Tagen auf einem Dampfschiff zu reisen.

Nun, es war nicht so schlimm. Es hatte auch keinerlei ├ähnlichkeiten mit den altenGeschichten die man sich ├╝ber die Zwischendecks erz├Ąhlt hatte. Wir hatten eine Kabinef├╝r 2 Personen. An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern, denn ich war w├Ąhrend derganzen Zeit bis nach New York Seekrank.

(lachen) Ich kann mir vorstellen, dass das die Erinnerungen verblassen l├Ąsst.

Ja.

Wie lange hat es gedauert?

Ich denke, wenn ich mich richtig erinnere, 8 Tage.

8 Tage. Junge, 8 Tage Seekrank sein, bedeutet, das man dann entw├Ąssert ist.

Ich hatte zwar keine sehr schlimme Seekrankheit aber es war genug, damit es mirmiserable ging.

Ich hatte nie irgendwelche Probleme auf Booten, aber ich vertrage keine Fahrgesch├Ąfte undKinderkarussells und solche Sachen. Hattet ihr auch Kinderkarussells in Deutschland?

Ja.

Bist du jemals mit so etwas gefahren und hattest du Probleme damit?

Ich kann mich nicht erinnern.

Erinnerst du dich an den Namen des Dampfschiffs?

Der Name Reliance schwebt mir im Ged├Ąchtnis. Es segelte unter Panameischer Flagge.



Da ist noch eine andere Geschichte wie du Deutschland verlassen hast und deine Mutter dir ein 3Markst├╝ck gegeben hat.

Oh, ja. Deutschland hatte wieder neues und stabiles Geld. Sie pr├Ągten M├╝nzen, die Silber beinhaltetenund das Geld war wieder stark. Mutter hatte ein 3 Mark St├╝ck und als ich ging gab sie es mir und sagte: “Behalte das, bis du richtig Hunger hast dann tausche es ein und kaufe dir etwas zu essen“. Wie du sehen kannst, habe ich die M├╝nze immer noch.



Zu dieser Zeit kam jedes Schiff in Ellis Island an und jeder Einwanderer ging hier durch.

Wir mussten auch durch Ellis Island, ja.

Wie war es?

Nur ein einziges beeilen und warten.

Die B├╝rokratie in Aktion.

Ja. Wir wurden von Ellis Island in einen Zug gesetzt und soweit ich mich erinnere fuhren wir mit demZug die ganze Nacht durch. An die Zeit, wann wir den Zug bestiegen hatten, kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfalls erreichtenwir Ohama so um 6 Uhr morgens.

Also hast du die ganze Nacht im Zug verbracht, von New York bis -

Nun, es war l├Ąnger als eine Nacht aber ich erinnere mich nicht mehr an die Details.

Ist das nicht der Zeitpunkt f├╝r die ber├╝hmte Pfannkuchen Geschichte?

Das ist richtig

Lassen Sie uns die ber├╝hmte Pfannkuchen Geschichte h├Âren.

Ja, ich war zu der Zeit sehr hungrig. Wir fanden dann ein Cafe, und wir setzten uns anden Tresen. Die Bedienung reichte mir eine Speisekarte und ich sah das Wort„pancake“ welches sehr wie das deutsche Wort „Pfannkuchen“ aussah. Ich zeigte mitmeinem Finger auf das Wort und sagte „This is what I want“ und die Bedienungverstand. In kurzer Zeit kam der Pfannkuchen dann auch, aber die Bedienung hattevergessen mir eine Gabel mitzubringen. Nun sa├č ich dort und dachte, Amerikaner essenPfannkuchen mit ihren Fingern? Ich sprach die Person die neben mir sa├č an.Gl├╝cklicherweise konnte diese Person deutsch sprechen. Ich fragte ihn was ich tun soll.Er sprach mit der Bedienung und sie gab mir eine Gabel.

Das bringt die Frage hervor, wie gut war zu der Zeit dein Englisch?

Nicht so gut, abgesehen davon, dass ich die Bekanntschaft einer Frau auf dem Schiffmachte, die Englischlehrerin in Deutschland war und in die Vereinigten Staaten wollte.Sie brachte mir in den 8 Tagen ein paar Englische W├Ârter bei.

W├Ąhrend der Seekrankheit.

Ja, sie brachte mir einige Phrasen, Ausdr├╝cke und S├Ątze wie „wo, kann ich mir meineH├Ąnde waschen?“ bei.

So wusstest du also schon ein paar Sachen.

Ja.

Jetzt kommt eine Zeitspanne, ├╝ber die ich noch nicht viel geh├Ârt hatte und diese handeltdavon, wie du auf der Farm angekommen bist und endet da, wo du deine Frau kennen gelernthast. Dar├╝ber wei├č ich nur sehr wenig. Du gingst dann zu den Hilbers um auf deren Farmzuk├╝nftig zu arbeiten.

Nun, nein. Ich war f├╝r ein paar Tage oder h├Âchstens f├╝r eine Woche bei den Hilbers,dann hatten sie f├╝r mich einen Job auf einer anderen Farm gefunden.

Ok, Ich verstehe.

Dort war ich auf mich alleine gestellt. Ich arbeitete dort bis 1928, bis ich mit den Farmlebenunzufrieden wurde. Ich dachte, dass dies nicht meine Zukunft sein konnte, es war nicht derrichtige Beruf f├╝r mich. Ich schrieb daher an die Coyne Elektriker Schule, eine Berufsschulein Chicago. Die Schule schickte mit Unterrichtsmaterial und B├╝cher. Ich traf mich zu der Zeit mit einigen anderen Deutschenin meinem Alter. Wir gingen dann gemeinsam im Jahre 1928 nach Chicago auf die Schule. Ich denke, das war, nachdem die Ernte eingeholt war.

Ich m├Âchte kurz etwas zur├╝ckgehen. Welche Art von Arbeit hast du auf der Farm gemacht?

Blo├č einfache Farmarbeiten wie sie im mittleren Westen ├╝blich sind.

K├╝he und Schweine –

Ja, K├╝he, Schweine und H├╝hner und wir ernteten Korn und Hafer. Die Felder wurdenzu der Zeit eher mit Pferden als mit Traktoren bewirtschaftet.

Dann hast du einen ganz normalen Farmertag lang gearbeitet? Von Sonnenaufgang bisSonnenuntergang?

Ja, das habe ich.

Was f├╝r eine Bezahlung gab es damals als Angestellter?

Ich glaube, dass mein erster Lohn 40 $ im Monat war, sp├Ąter 50 $ und zum Schluss habeich dann 60 $ bekommen, plus Zimmer und Verpflegung.

Du warst 3 Jahre dort?

Ja.

Bis zum Jahr 1928 sah alles sehr gut aus bis -

Bis die Farmen in wirtschaftliche Krisen kamen.

Oh, die Farmwirtschaft fing an zu kriseln?

Ja.

Es schien auch woanders Schwierigkeiten zu geben – der B├Ârsencrash war doch auch ┬┤29.

1929, ja.

Es schien so, als wenn die gute alte Zeit vorbei war.

Mhm, mhm.

So, du und deine Freunde seit dann nach Chicago gegangen.

Wir fuhren zusammen nach Chicago und haben auf der Coyne Elektriker Schule einen Kurs der 3 Monate dauerteabsolviert. Danach habe ich meinen Job bei der ├ľffentlichen Service Gesellschaft von Nord Illinois angetreten.

├ľffentliche Service Gesellschaft –

Von Nord Illinois.

War die gemeinn├╝tzig?

Ja sie war gemeinn├╝tzig. Der Besitzer hie├č zu der Zeit Samuel, er und die Firma Edisonvon Chicago hatten einen Ferienort am Lake Delavan Wisconsin. Dort war ich alsWartungsarbeiter angestellt.

In Wisconsin?

Ja. Und ich war einige Jahre dort t├Ątig.

Was musstest du als Wartungsarbeiter tun?

Durchgebrannten Sicherungen austauschen und Dies und Das reparieren.

So hast du viele Erfahrung auf den unterschiedlichsten Gebieten gesammelt.

Ja.

Du warst dort 8 Jahre sagtest du?

Mal ├╝berlegen... 1929... bin ich zu Besuch zur├╝ck nach Deutschland gefahren.

Du gingst zur├╝ck?

Ja.

Das wusste ich nicht – Ich war nicht sicher ob du jemals zur├╝ck gegangen bist.

Doch, f├╝r einen Besuch im Jahre 1932. Nach dem B├Ârsencrash im Jahre 1929 verlor ichmeinen Job. Ich wurde zwar nicht entlassen aber der ganze Ferienort wurde geschlossenund ich fand f├╝r ein paar Wochen einen neuen Job in Waukegan, Illinois bei der OaksMfg. Co. Als der Job erledigt war, fuhr ich nach Deutschland.

Der Job inWaukegan…

Ja.

Ok, als der Job endete, hast du beschlossen nach Deutschland zu fahren oder war die Reisenach Deutschland schon l├Ąnger geplant?

Ich hatte schon seit l├Ąngerer Zeit geplant eine Reise zu machen und nach Deutschlandzu fahren. Nach 4 Monaten kam ich wieder zur├╝ck und die Dinge waren schlimmer alsvorher. Ich beschloss nach Minnesota zu fahren und meinen Cousin John Dierks zubesuchen.

Ich verstehe. Lass uns zu dem Punkt zur├╝ckgehen, an dem du zur├╝ck nach Deutschlandfahren wolltest. Bist du blo├č zur├╝ckgefahren um Freunde, Familie und Bekannte zubesuchen?

Ja

Bist du wieder mit dem Dampfschiff gereist und war die Reise das zweite mal besser?

Genau wie vorher auch.

Vielleicht k├╝rzer?

Nein.

Und du bist f├╝r ein paar Monate geblieben?

F├╝r 4 Monate.

Ok. Und dann hast du beschlossen wieder zur├╝ckzufahren.

Zur├╝ck nach Amerika zu fahren.

Ok.

Ich war zu dem Zeitpunkt ein amerikanischer Staatsb├╝rger.

Ok. Gab es die Bestimmung f├╝r 5 Jahre an einem Ort zu bleiben?

Man musste nicht f├╝r 5 Jahre immer an dem selben Ort bleiben, aber man musstebeweisen k├Ânnen, wo man in den letzten 5 Jahren war. Und je mehr man umzog undunterwegs war, desto schwieriger war es, das zu beweisen.

Du warst ein amerikanischer Staatsb├╝rger?

Ja. Ich wurde in Waukegan, Illinois eingeb├╝rgert.



Erinnerst du dich wann das war?

Ja, im Jahre 1931.

Im Jahre 1929 gingst du nach Deutschland?

1932.

Du gingst im Jahre 1932 nach Deutschland, ok. Ich habe eine L├╝cke. Ich versuche sie zuf├╝llen. Von 1928 -

Im Jahre 1928 haben wir Nebraska verlassen.

Und mit Coyne bekamst du den Job und wie lange arbeitetest du dort?

Bis 1931 oder so.

Ok, ich dachte vielleicht endete der Job im Jahre 1929. Und dann bekamst du im Jahre 1931den Job in Illinois der nur ein paar Wochen dauerte.

In Waukegan.

Und in diesem Jahr wurdest du auch eingeb├╝rgert?

Ja, in Waukegan, Illinois wurde ich eingeb├╝rgert.

Also bist du zur├╝ck nach Deutschland gereist, nachdem du die amerikanischeStaatsb├╝rgerschaft erhalten hattest.

Ja. Ich war ziemlich stolz darauf, bei der Fahrt nach Deutschland, einenamerikanischen Pass zu haben.

Hat das irgendwas daran ge├Ąndert, wie die Leute dich behandelten?

Oh, nicht wirklich. Die meisten Leute, mit denen ich in Kontakt kam, kannten mich undich kannte sie.

Sie behandelten dich also sehr gut und h├Âflich?

Ja, mhm. So sehr wie es deutsche Beamte nur sein konnten.

Ich kenne deutsche Beamte, sie m├╝ssen immer alles am Ende abstempeln.

Da kann ich eine Geschichte erz├Ąhlen. Als meine Frau und ich im Jahre 1975 nachDeutschland reisten, hatten wir ja unsere amerikanischen P├Ąsse und verlie├čenDeutschland am Flughafen. Wir waren bereit das Flugzeug zu betreten. Wir musstennur noch durch die Passkontrolle, der Kontrolleur sah auf meinen Pass und sagte “Siehaben ihn nicht unterschrieben“. (lacht)

Ist das wahr?

Das ist wahr.

Oh man. Und es war so, dass keiner von euch den Pass unterschrieben hatte? Weder du nochdeine Frau?

Nein, keiner von uns. (lacht)

Lie├č er dich gehen?

Wir unterschrieben die P├Ąsse in seiner Anwesenheit.

Also, das ist gut. Ok, dann hast du dich entschieden John Dierks zu besuchen und das mussim Jahre 1932 gewesen sein.

Ja, und ich blieb f├╝r einige Zeit bei John und arbeitete auf seine Farm. John war frohmich zu sehen. John war sehr stolz auf seine deutschen Cousins und seiner deutschenAbstammung.

War John auch dein Cousin?

Ja, war er. Johns Vater war der Bruder meiner Mutter.

Ok. Ein anderer Bruder als Bill?

Onkel Ben. Bill┬┤s Vater.

Bill┬┤s Vater, das ist richtig.

Ja, meine Mutter war das j├╝ngste von 13 Kindern.

Ok. John Dierks war also dein Cousin. Die selbe Beziehung aber unterschiedliche Eltern alsBill Dierks und er war froh das du da warst.

Ja, und ich blieb f├╝r ein paar Monate bei ihm und wollte mal sehen wie sich dasentwickelt. Er, Otto und ich fingen in einem Maschinenladen in Janesville, Wisconsin (Fehler, Janesville istin Minnesota) an, er war 14 Meilen von John Dierks sein Wohnort entfernt. Neben Reparaturen machten wir alle m├Âglichen Arbeiten f├╝r die Farmer in der Umgebung. Wir zogen sp├Ąter in ein gr├Â├čeres Geb├Ąude und nahmen das Autohaus Pontiac Agentur mit auf. Wir hatten es bis zum Jahre 1939, 1940.

Hm, irgendwann musst du doch deine Frau getroffen haben.

Ja, ja.

Im Jahre 1938 hast du sie geheiratet.

Mhm, etwa 1936…verlobt…wir waren immer noch in diesem gr├Â├čerem Geb├Ąude undhatten dieses Autohaus. Da traf ich meine Frau in Janesville/Janesville. Sie war da aufeinem Treffen mit noch einem M├Ądchen.

Sie hat in Janesville unterrichtet?

Ja, sie unterrichtete.

Und sie unterrichtete vermutlich gerade an der Schule. Ich vergesse immer was sieunterrichtete. Englisch oder Mathe?

Englisch und Mathe.

Oh, beides?

Ja.

Erinnerst du dich wer das andere M├Ądchen bei den Treffen war?

Ja, Mary Wawereka (bb) war das andere M├Ądchen und –

Wewereka, ist das richtig?

Wewereka, ja.

Wie W-i-w-o-r-k-a?

W-e-w-e-r-k-a und sie war tschechischer Herkunft, der Name Wewerka bedeutetEichh├Ârnchen. Ihre Mutter erz├Ąhlte mir das.

Mary das Eichh├Ârnchen. Gibt es sonst jemanden, den du sp├Ąter kennen gelernt hast?

Nein. Ich bin sehr lange mit Mary Wewerka in Verbindung geblieben. Diese beiden,meine Frau und Mary Wewerka, waren gute Freunde. Der Mann und ich waren es nicht– wir waren nur gute Bekannte aber keine guten Freunde.

Was habt ihr bei den gemeinsamen Treffen gemacht?

Wir gingen in der N├Ąhe zum tanzen.

1936 das muss FDR┬┤s Regierung gewesen sein.

Ja war es.

Waren die Dinge denn besser?

Also, (pause) ja und nein. Ja, nat├╝rlich waren sie es.

Du hast mir erz├Ąhlt, dass du Staubsauger verkauft hast indem du von T├╝r zu T├╝r gingst. Icherinnere mich nicht mehr wann das war.

Das war zu der Zeit, in der ich in Chicago war…

War das, bevor oder nachdem du die amerikanische Staatsb├╝rgerschaft bekommen hattestund nach Deutschland gefahren bist oder war es, nachdem du aus Deutschland wiederkamst?

Ich denke, es war, nachdem ich aus Deutschland wiederkam.

Vielleicht auch dazwischen?

Ich erinnere mich nicht daran.

Was machtest du dann?

Ich verkaufte Staubsauger indem ich von T├╝r zu T├╝r ging.

Wie lief das? War es sehr erfolgreich?

Oh, immer unterschiedlich. Man hatte seine guten Tage, an denen man gut davon lebenkonnte und man hatte seine schlechten Tage, an denen man nichts verkaufte.

Lassen Sie uns ein wenig auf deine Frau zur├╝ckkommen, war es Liebe auf den ersten Blickoder hat es eine gewisse Zeit gedauert, bis du dich in sie verliebt hast?

Es dauerte nicht sehr lange.

Ich verstehe. Ich wei├č, dass du sie im Jahre 1936 zum erste mal getroffen hast und im Jahre1938 geheiratet hast.

Also, ich sch├Ątze im Jahre 1936.

Ich verstehe.

Ich denke es waren nicht mehr als 6 oder 8 Monaten zwischen den Tag, wo wir unskennenlernten und bis wir heirateten.

Deine Frau erz├Ąhlte mir einmal du warst Lutheraner.

Ja.

Du warst Lutheraner und sie war Katholikin. Du hast ein Aufgebot f├╝r eine gemischteHochzeit gemacht, aber in letzter Minute hast du dich dann entschieden Katholik zu werden?Ich hatte den Eindruck von deiner Frau, dass sie vielleicht ├╝bertrieben haben k├Ânnten. Ichglaube es war die Nacht vor eure Hochzeit?

Nein, ich wurde in der Nacht vor unserer Hochzeit getauft.

Du wurdest getauft, ok. Aber daf├╝r musstest du dich aber schon lange vorher entschiedenhaben.

Oh- ja, lange Zeit vorher. Die Anweisungen bekam ich vom Priester in Janesville schonlange vorher.

Es dauerte wahrscheinlich Monate und Monate... .

Also, nein, nicht so schrecklich lange. Ich glaube h├Âchstens 2 Monate.

Ok. Nun warst du also verheiratet. Waren viele Angeh├Ârige auf der Feier? War deineSchwester und dein Bruder auch erschienen?

Ja.

Und weitere Verwandten?

Otto war da.

Das ist dein Bruder, ist das richtig.

Ja, mein Bruder. Es war f├╝r eine so kleine Stadt, eine sehr gro├če Hochzeit.

Und es war in? –

Verndale.

Es war in Verndale…dort gab es nur eine einzige Katholische Kirche.

Ja, St. Frederick┬┤s

Und die Ponykutsche hat auf dich gewartet, als du rauskamst.

Nachdem wir aus der Kirche kamen, wartete die Ponykutsche auf uns und als wirdichter zum B├╝rgersteig kamen, waren wir nur froh…(Karen lacht) und ich nahm dieZ├╝gel und sagte “Jetzt geh”. (Lachen).

Wo waren Sie in den Flitterwochen? Waren Sie ├╝berhaupt irgendwo?

Wir gingen nach Norden.

Du bist aber nicht den ganzen Weg mit der Ponykutsche gefahren oder?

Wir hatten ein Auto…

Ich verstehe, ok.

Am n├Ąchsten Tag waren wir weit genug n├Ârdlich um ├╝ber die Grenze nach Kanada zufahren...”Warroad” (?) war der Name der Stadt an die ich mich noch erinnere.

War road (?).

Sag das noch mal.

War road (?)..

Roar road (?)..

Wir fuhren f├╝r eine Weile nach Kanada, gingen nach Westen und kamen dann zur├╝ckin die Vereinigten Staaten. Dann gingen wir nach S├╝den. Ich kann mich nicht mehr andie Route erinnern, die wir nahmen und auch nicht wie viele Tage wir unterwegs waren,ich glaube es waren 9 oder 10 Tage.

Dies scheint ein guter Zeitpunkt zu sein um aufzuh├Âren. Du bist vermutlich etwas m├╝de vonder Unterhaltung.

Ja.

ENDE DES INTERVIEW

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